Privates Hilfsprojekt "Netz für Nepal"

 

Durch einen Workshop für laparoskopische Chirurgie lernte ich im Jahre 2007 Herrn Prof. Ram Shresta aus der Stadt Dhulikhel in Nepal kennen, mit dem mich mittlerweile eine herzliche Freundschaft verbindet.

Initiiert durch seinen Wunsch begann ich 2008 mit den Vorbereitungen für die Einführung einer Operationsmethode, die es im dortigen Krankenhaus noch nicht gab. Es ging um die Leistenbruch-Operation via "Schlüsselloch-Chirurgie", dies wird auch als laparoskopische Chirurgie bezeichnet.

Zu diesem Zweck starteten meine Familie und ich eine Spenden-Flyer-Aktion, um potentielle Spender zu gewinnen und auf den Zweck unseres Projektes aufmerksam zu machen.

Durch die sehr gute Resonanz darauf war es mir möglich, Instrumente und spezielle Netze für dieses Operations-verfahren bei meinem 1. Besuch im Mai 2009 mit nach Dhulikhel zu nehmen. Ich konnte so den jungen Chirurgen Dr. Balaram Malla in dieser speziellen Technik ausbilden und operierte zusammen mit ihm 17 Patienten in einer Woche.

 

Im Februar 2010 lud ich Dr. Malla für 3 Wochen zu mir nach Hause ein und arbeitete mit ihm zusammen im Weimarer Klinikum. So konnte er dort die gesamte Palette der laparoskopischen Chirurgie kennen lernen.

Im Anschluss daran flogen wir gemeinsam für 2 weitere Wochen nach Nepal. In dieser Zeit operierte er völlig selbstständig seine Patienten in der neuen Technik.

Auch bei diesem Aufenthalt war es mir möglich, wiederum zahlreiche Instrumente und Netze, bereitgestellt aus den Spenden meiner Unterstützer, mitzunehmen.

 

Im Januar 2012 weilte ich das 3. Mal in Dhulikhel. Das Ziel war diesmal die Vorbereitung eines Workshops für laparoskopische Chirurgie im November 2012 in Dhulikhel für 20 nepalesische Kollegen.

Dr. Malla und ich haben im Januar, zusammen mit 2 Handwerkern, die ersten beiden Prototypen eines Übungs-Arbeitsplatzes (Lapro-Trainer) hergestellt. Davon wurden insgesamt 6 Plätze benötigt, um im Workshop ein Training der erforderlichen Fertigkeiten mit den Kollegen durchführen zu können. Der Workshop war der Erste dieser Thematik in Nepal.

Zwischenzeitlich konnte ich im September wieder einmal mehrere Kartons mit Hilfsmaterialien über den "Nepalimed"-Verein Deutschland kostenlos im Container nach Nepal mitschicken. Der Container benötigt ca. drei Monate, um nach einer Schiffsreise und einem Landtransport durch Indien in Dhulikhel anzukommen. Ein herzliches Dankeschön dafür den Freunden von "Nepalimed Deutschland".

 

Die o. g.  Veranstaltung fand termingerecht statt und war ein großer Erfolg.

Zusammen mit Dr. Henning Motthes und seiner Ehefrau Dr. Anke Motthes aus der Uni-Klinik in Jena sowie Dr. Lutz Künanz aus dem Katholischen Krankenhaus in Erfurt konnten wir in Dhulikhel 22 junge Chirurginnen und Chirurgen aus insgesamt 10 Kliniken Nepals mit diesen modernen Operationsverfahren vertraut machen.

Der Kurs erstreckte sich über 3 Tage (06.11. bis 08.11.2012) und war thematisch in wissenschaftliche Vorträge, praktische Übungen am Lapro-Trainer und Operations-Assistenzen gegliedert.

Wir hatten 6 Arbeitsplätze zum Erlernen einfacher und komplexerer laparoskopischer Fertigkeiten wie Knoten, Nähen und Präparieren zur Verfügung.

Es war uns möglich in 3 Op.-Sälen parallel an 2 Tagen insgesamt jeweils zwischen 8 bis 10 Patienten zu operieren.

Unsere nepalesischen Kollegen waren hoch motiviert, sehr geschickt und interessiert. Der Kurs wurde von allen Beteiligten als sehr gelungen eingeschätzt.

Die Kurs-Organisation vor Ort lag in den Händen von Dr. Malla und war perfekt vorbereitet. Selbst das chirurgische Arbeiten an biologischen Präparaten (Hühner-Haut und Wasserbüffel-Leber) wurde uns ermöglicht.

Die Durchführung des Workshops wurde wiederum durch Sachspenden einiger Firmen und den Einkauf von Netzen für die Leistenbruch-Chirurgie aus dem Spendenaufkommen des Projektes ermöglicht.

Zum Abschluß des Kurses gab es nach der feierlichen Übergabe der Certifikate ein gemeinsames Abendessen auf dem Campusgelände der chirurgischen Fakultät.

 

Ein besonderer Höhepunkt für die deutschen Gäste war dann am Folgetag die sog. Convocation-Ceremony, bei der 630 Absolventen von medizinischen Colleges ihre Approbationsurkunden im Beisein des Ministerpräsidenten und des Senates der Medizinischen Fakultät ausgehändigt bekamen.

 

Am 01.12.2012 konnte ich Prof. Ram Shresta beim Nepal-Abend der "Bolde-Freunde" in Gilching einen Scheck über 10.000 € aus dem Spendenaufkommen der letzten 2 Jahre überreichen. Dieses Geld soll zweckgebunden für die Stabilisierung der 24-Stunden-Stromversorgung des Dhulikhel-Hospitals verwendet werden. Ein dafür notwendiger Transformator kann damit zum Teil finanziert werden. Damit sollen die bisher auftretenden Stromausfälle im Operationssaal und den anderen Abteilungen des Krankenhauses minimiert werden.

 

Am 30.11.2013 war ich erneut zu Gast bei den Freunden der "NAMASTE-Stiftung" in Gilching und konnte an diesem Abend Prof. Ram Shresta 30 Netze und entsprechendes Nahtmaterial mit auf die Heimreise geben.

 

Im Oktober 2014 flog ich zum 5. Mal nach Nepal, um dort für eine Woche im Dhulikhel Hospital zu arbeiten.

 

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal sehr herzlich "Danke" für die vielen kleinen und großen Spenden der letzten Monate sagen. Wie Sie lesen konnten, hat jeder gespendete Euro sein Ziel in Nepal erreicht.

 

2015 war das Jahr des furchtbaren Erdbebens, welches Nepal am 25.04.15 mit einer Stärke von 7,9 völlig unvorbereitet traf. Acht Millionen Menschen waren davon betroffen, 8800 Menschen verstarben, Tausende wurden verletzt. Im Dhulikhel-Hospital wurden sofort nach dem Beben und in den Folgetagen 933 Patienten stationär behandelt, es wurden 650 "große" und 1800 "kleine" Operationen durhcgeführt. Am 12.05.15 gab es ein Nachbeben der Stärke 7,3, insgesamt wurden über 500 weitere, kleinere Nachbeben gemessen.

Ich habe die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen des Hospitals von hier aus unterstützt, da vor Ort vor allem Unfallchirurgen und Orthopäden benötigt wurden. Einer meiner Freunde, Prof. Heiner Winker aus Erfurt eilte sofort nach Nepal, um dort direkte fachärztliche Hilfe zu leisten.

Dank meiner Spenderinnen und Spender konnte "Netz für Nepal" kurzfristig insgesamt 50.000 € an Spendengeldern sammeln und direkt nach Dhulikhel auf das Hilfskonto des Krankenhauses überweisen. Das war eine herausragende Spendenbereitschaft zur Linderung der humanitären Katastrophe vor Ort in Dhulikhel! Es war aber auch ein Beweis für die Sinnhaftigkeit der Unterstützung genau dieses Krankenhauses durch "Netz für Nepal", denn in Dhulikhel hat die Notfallrettungskette von der Erstversorgung über die medizinische Versorgung bis zur Betreuung und Entlassung der Angehörigen und der Patienten nach Hause mit entsprechenden Hilfspaketen vorbildlich funktioniert. Das Team hat in den ersten 5 Tagen unermüdlich und rund um Uhr die Hand-in Hand gearbeitet! Dies war nur durch die vorausgegangene vielfältige Unterstützung möglich. 

 

Im März 2016 war ich mit 2 Freunden bereits das 6. Mal im Dhulikhel-Hospital. Wir hatten insgesamt 100 kg an Hilfsgütern bei uns und konnten alles unversehrt mit nach Nepal transportieren. Der finanzielle Wert dieser Artikel und der, der bereits nach Nepal mitgenommenen, chirurgischen Instrumente vom Februar diesen Jahres hatte einen Umfang von 22.000 €. Herzlichen Dank allen Spenderinnen und Spendern für dieses große Spenden-volumen!

Mit dabei hatte ich dieses Mal auf Wunsch von Dr. Malla 150 Hemden und Hosen für den Op.-Bereich des Klinikums. Diese wurden mir als Spende von der Firma Bardusch aus Erfurt dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt. Ein herzliches Dhanyabad dafür aus dem dortigen Op. Die Kleidung wurde bereits eine halbe Stunde nach der Übergabe rege genutzt.

Wir haben in dieser Woche mehrere, sehr komplexe Operationen bei Patienten am Dickdarm und den Gallen-gängen durchgeführt. Dr. Malla hat diese Eingriffe äußerst professionell und versiert durchgeführt. Es war für mich eine große Freude und Genugtuung zu sehen, wie die Instrumente vielfach eingesetzt und pfleglich behandelt werden und die bisher geleistete Arbeit Früchte trägt.

 

Im Sommer 2016 war der Leitende Ingenieur des Dhulikhel-Hospitals, Herr Raja Ram Parajuli, der für die Haustechnik verantwortlich zeichnet, für mehrere Wochen bei einem bekannten Weimarer Ingenieurbüro zu Gast, um Kenntnisse über die Standards im Bereich der Haustechnik, Brandschutz- und Klinik-Planung zu vertiefen. 

 

Nachdem ich 2017 bereits wieder Netze im Wert von 3000 € einem Kollegen aus Dhulikhel mitgeben konnte, hatte ich Gelegenheit, insgesamt 9 Kisten mit Hilfsgütern in einem Container der Ärzte des Rotary-Clubs Deutschland mitgeben zu dürfen. Hauptbestandteil war diesmal ein System zum Offenhalten eines Bauchschnittes während der Operation, ein sog. Abdomen-Retraktorsystem. Hierfür hatte ich bereits ein gebrauchtes, aber nicht vollständiges System als Spende aus Jena bekommen. Die erforderliche Komplettierung im Wert von 15.000 € stellte mir dankenswerter Weise die Herstellerfirma "Medizintechnik Sattler GmbH" aus Königsee-Rottenbach zur Verfügung. Das Dhulikhel-Hospital verfügt nun über ein langlebiges modernes System für vielfältige Anwendungsbereiche.

Ich möchte an dieser Stelle der Firma Sattler herzlichen Dank für die großzügige und spontane Unterstützung sagen. 

 

Im Februar 2018 weilte ich wiederum für 10 Tage in Dhulikhel, um dringend benötigte Instrumente für den chirurgischen Operationssaal mitzubringen und einem weiteren Kollegen bei der laparoskopischen Hernienchirurgie zu assistieren. Dabei konnte ich mir die großen Fortschritte auf dem Gebiet der minimal-invasiven Chirurgie ansehen.

Bei diesem Aufenthalt lernte ich die engagierte Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe Frau Dr. Anjana Donghol und ihr Team kennen und vereinbarte mit ihr einen Hospitationsaufenthalt in Weimar.

Im Dhulikhel-Hospital gibt es einen extra Klinik-Gebäude-Komplex, der nur für die Entbindung schwangerer Frauen, deren Betreuung und die operative Behandlung von erkrankten Frauen gebaut wurde.

Hier kommen pro Jahr ca. 3000 Kinder zur Welt. Weiterhin werden dort schwangere Frauen betreut, bei denen im Vorfeld eine Risiko-Konstellation für die Entbindung diagnostiziert wurde. Diese Frauen werden dann motiviert, 2-3 Wochen vor dem eigentlichen Geburtstermin aus den schwer zugänglichen Bergregionen in das Mutter-Kind-Zentrum nach Dhulikhel zu kommen, um die Geburt unter kontrollierten Bedingungen zu begleiten und damit das perioperative Risiko und somit die Sterblichkeitsrate dramatisch zu senken. 

 

Im Sommer 2019 weilten Frau Dr. Anjana Donghol aus der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe und Frau Dr. Banira Kakir aus der Chirurgischen Klinik des Dhulikhel-Hospitals für 4 Wochen in Weimar.

Frau Dr. Donghol hopsitierte in der Gynäkologischen Klinik des Sophien- und Hufeland-Klinikum Weimar bei Chefarzt Dr. Herrmann und konnte dort ihre Kenntnisse bei  laparoskopischen Eingriffen in der Gynäkologie vertiefen.

Die Chirurgin Frau Dr. Kakir hospitierte im Robert-Koch-Krankenhaus in Apolda bei Chefarzt Dr. Bechler zum Thema brusterhaltende Tumorchirurgie in der Gynäkologie.

Beide Kolleginnen waren begeistert von ihrem Aufenthalt, der unkomplizierten Aufnahme in den jeweiligen Teams und den Möglichkeiten zur Vertiefung ihrer Kenntnisse. Reise- und Aufenthaltskosten wurden komplett durch "Netz für Nepal" finanziert. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an die Stiftung Sophienhaus für die Unterstützung bei der Bereitstellung einer Übernachtungsmöglichkeit.

 

Auf Wunsch von Frau Dr. Donghol organisierten 2 Gynäkologinnen aus Weimar und ich einen Workshop für gynäkologische Assistenzärztinnen und Ärzte aus ganz Nepal und Dhulikhel.

 

Dieser Workshop fand im November 2019 statt. Frau Dr. Cathleen Heinemann und Frau Dr. Klaudia Richter aus dem Sophien- und Hufeland-Klinikum Weimar gestalteten federführend den Kurs mit großem Erfolg. Nach einer Einführung mittels Präsentation von Grundlagen und Techniken der laparoskopischen Chirurgie in der Gynäkologie, hatten die TeilnehmerInnen Gelegenheit, unter Anleitung einfache laparoskopische Techniken am sogenannten Laparoskopie-Trainer zu üben. Dies wurde von den beiden Weimarer Kolleginnen über einen Zeitraum von drei Tagen ermöglicht. Zusätzlich operierten beide Ärztinnen in dieser Woche zusammen mit den nepalesischen Kolleginnen Patientinnen in der laparoskopischen Technik und konnten so die Operationstechnik den Fachärzten des Dhulikhel-Hospitals nahebringen.

Mit im Gepäck waren neben einem speziellen gynäkologischem Lapro-Trainer für das Krankenhaus wiederum Instrumente und Netze für den Operations-Trakt im Wert von 20.000 €.

 

Für 2020 haben wir geplant, zwei Schwestern aus dem gynäkologischen Operationsbereich zur Hospitation in den OP nach Weimar einzuladen. Hier sollen sie sehen, wie die komplexen laparoskopischen Eingriffe seitens der Op.-Schwestern vorbereitet und betreut werden.

Außerdem warten wir auf den Besuch eines weiteren Chirurgen aus Dhulikhel, der ebenfalls zur Hospitation bei laparoskopischen Eingriffen hierher kommt. Wir kennen ihn schon seit vielen Jahren aus seiner Zeit in der Bolde-Außenstation, wo er zwei Jahre lang selbsstständig (im wahrsten Wort-Sinn: selbst und ständig) 7 Tage die Woche Tag und Nacht den medizinischen Außenposten des Dhulikhel-Hospitals leitete. 

Die Kosten für die Eingeladenen werden wiederum durch Spendengelder finanziert.

 


Spenden-Übergabe 2009

Spenden-Übergabe 2010

Spenden-Übergabe November 2012
Dr. Malla und Prof. Shresta am Lapro-Trainer

  

Spenden-Übergabe Januar 2012

Teilnehmer und Referenten des 1. Workshops für laparoskopische Chirurgie in Nepal
Konzentriertes Arbeiten mit Dr. Malla
Spenden-Scheck-Übergabe in Gilching 01.12.2012

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März 2016 Spendenübergabe im DHOS zusammen mit Matthias Münz, Wolfram Wittig, Leitender Op.-Schwester Sulekha und Dr. Malla
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